Jenseits der Kitschschwelle

Es gibt ja solche und so’ne Weichzeichner. Vor anderthalb Wochen hatte ich hier eine Serie mit ebenfalls eher fluffigen Wald- und Gartenfotos, aber die Charakteristik des dort verwendeten 135ers, das bei keiner Blende richtig scharf wird, mag ich nicht recht leiden. Schon eher mein Fall sind die Bilder von heute, weil es hier halt vor allem in den Unschärfe-Bereichen deutlich eigenwilliger zugeht. Dies sind erste Aufnahmen mit einem unverhofften Erbstück aus den ca. 1950er Jahren, einem Meyer Görlitz 2,8/100 V, in Analog-Hipsterkreisen besser bekannt als Trioplan. Gegenüber dem zwar neueren Makinon hat dieses hier den Vorteil, ab der ersten Stufe Abblendung von Weich- auf Scharfzeichnung umzuschalten, d.h. ab Blende 4 ist es ein handzahmes, universelles Kurztele (wenngleich es nicht die Auflösungsleistung modernerer Gläser erreicht); aber für einen tiefen Griff in den Kitschtopf muss man kein Softar vorschrauben, sondern – wie bei allen Aufnahmen heute – einfach nur aufblenden.

Hoffentlich funktioniert auch die ursprünglich dazu gehörende Exakta Varex noch einigermaßen – mit Schwarzweißfilm und der vollen Ausnutzung des Bildkreises bis in die mutmaßlich noch unschärferen Ecken ist das Ganze bestimmt noch reizvoller …

5 Kommentare

  • bernhard1965

    Lieber Chistian,

    solch ein Trioplan habe ich auch noch rumliegen, dazu noch einige Projkeitonsobjektive mit der gleichen Rechnung (psst, Geheimtip, gibt es für wenige Euronen) 🙂

    Überraschen ist, dass in Deinen trioplanschen Bildern keine Trioplankringel zu sehen sind.

    Ich wünsche Dir noch einen besinnlichen 3. Advent

    LG Bernhard

    • Christian W.

      Wo sollen denn die Kringel herkommen so ganz ohne Lichtpunkte? Wir haben hier im Moment ausgesprochen kontrastfreies Wetter, für Seifenblasenbokeh müssen wir noch auf die Weihnachtsbaumbeleuchtung warten 🙂

      Merci, ein bisschen Besinnlichkeit konnte ich dem ansonsten weitgehend normalen Arbeitstag denn doch abringen … und selbst?

      Ich weiß schon, dass es vergleichbar aufgebaute Projektionsobjektive gibt, aber damit kann ich ohne fokussierbaren Adapter ja nix anfangen. (Abgesehen davon rangiert so ein Trioplan auf der Achse Werkzeug–Spielzeug schon recht weit auf der Spielzeugseite, dafür würde ich auch wenige Euro nicht ausgeben – gekauft wird bei Fotosachen nur noch Werkzeug, wenn es denn wirklich benötigt wird, Spielereien habe ich genug, um mich die nächsten Jahrzehnte zu beschäftigen :-))

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